Mehr als die klassische Steuerberatung

19.08.2026

Abenteuer auf Gleisen – Zwischen Franzbrötchen und Schwänen zum Ziel

Der Bahnsteig in Maastricht muss einem Außenstehenden wie die jährliche Hauptversammlung einer aberwitzigen Sekte erscheinen. Vierzig Menschen. Fast alle in bordeauxroten T-Shirts mit der Aufschrift: „Ein bisschen Zillo steckt in jedem.“ Dazu trägt nahezu jeder eine kleine Pinselkette um den Hals. David hatte einen Onlineshop gefunden, der so etwas verkauft und den entsprechenden Link auf die Website zum Zeisenvaart-Tag gesetzt. Ein geschmacklich grenzwertiger Schritt.

 

Als der ICE einrollt, entsteht unter den übrigen Fahrgästen sofort jene vorsichtige Unruhe, die man sonst nur beobachtet, wenn Fußballfans oder Blaskapellen einen Zug entern. „Entschuldigung“, fragt ein Geschäftsmann eine ältere Zeisenvaart-Dame. „Sind Sie ... ein Verein?“ „Nein.“ „Eine Reisegruppe?“ „Nicht im klassischen Sinne.“ „Was dann?“ „Familie.“ Der Mann schaut an ihr vorbei auf die immer länger werdende Schlange identischer T-Shirts. „Alle?“ „Ähm … ja.“ Er wendet sich wortlos ab.

 

Nach wenigen Minuten belegen die Zeisenvaarts ungefähr anderthalb Wagen. Kaum hat sich der Zug in Bewegung gesetzt, beginnt das große Kennenlernen. Überall wird gelacht. Fotos werden verglichen. Menschen halten sich gegenseitig ihre Gesichter hin und diskutieren ernsthaft darüber, wer die ausgeprägteren Zeisenvaart-Augenbrauen besitze. Ein kleiner Junge, der mit seinen Eltern unterwegs ist, zieht seinen Vater am Ärmel. „Papa?“ „Ja?“ „Warum tragen die alle Pinsel?“ Der Vater betrachtet die Szenerie lange. „Ich glaube ... das versteht man erst als Erwachsener.“

 

In diesem Moment knackt die Lautsprecheranlage. „Sehr geehrte Fahrgäste“, erklingt die Stimme des Zugchefs. „Die Weiterfahrt verzögert sich um wenige Minuten. Unser Triebfahrzeugführer musste den Zug kurz verlassen.“ Stille. „Er hat gegenüber dem Personal geäußert, dass der Supermarkt im Bahnhofsgebäude heute frische Franzbrötchen im Angebot habe. Wir bitten um Verständnis. Er versprach, sich zu beeilen.“ Kein Mensch weiß zunächst, ob diese Durchsage ernst gemeint ist. Dann bricht unter den Zeisenvaarts schallendes Gelächter aus. „Typisch Bahn!“, ruft jemand. „Bringt er wenigstens welche mit?“, fragt ein anderer. Sogar einige Geschäftsreisende müssen grinsen. Vier Minuten später fährt der Zug tatsächlich weiter.

 

Keine zehn Minuten. Dann bleibt er erneut stehen. Der Zug rollt noch ein paar Meter aus, bevor er mitten auf freier Strecke zum Stillstand kommt. Diesmal dauert es länger, bis sich die Lautsprecher melden. „Liebe Fahrgäste, wir bitten um Entschuldigung für den außerplanmäßigen Halt. Vor uns befindet sich ein Zug. Hinter uns befindet sich ebenfalls ein Zug. Dazwischen befinden sich derzeit wir. Sobald sich an dieser Situation etwas ändert, informieren wir Sie selbstverständlich.“ „Das klingt ehrlich“, bemerkt ein Zeisenvaart-Nachkomme. „Fast schon philosophisch“, ergänzt sein Sitznachbar. Eine junge Frau klappt ihren Laptop zu. „Ich arbeite bei der Bahn“, sagt sie leise. Schlagartig verstummt das halbe Abteil. „Mein Beileid“, sagt eine ältere Dame. Die junge Frau nickt ergeben.

 

Kaum hat der Zug wieder Fahrt aufgenommen, erscheint der Schaffner. Ein freundlicher Mann mit erstaunlich gelassener Miene, der sich offenbar bereits damit abgefunden hat, heute nicht nur Fahrkarten, sondern auch den Sinn des Lebens kontrollieren zu müssen. Er bleibt mitten im Wagen stehen und schaut sich um. „Entschuldigen Sie ... sind Sie alle ... miteinander verwandt?“ „Über Zillo Zeisenvaart“, antworten mindestens fünfzehn Stimmen gleichzeitig. Der Schaffner blinzelt. „Aha.“ Kurze Pause. „Ist das ansteckend?“ Die Bemerkung sorgt für Heiterkeit. Auch der Schaffner kann sich ein Lachen nicht verkneifen und beginnt anschließend seine Kontrolle.

 

Keine fünf Minuten später knackt erneut die Lautsprecheranlage. „Sehr geehrte Fahrgäste. Aufgrund einer kurzfristigen betrieblichen ... äh ... Situation müssen wir unsere Geschwindigkeit vorübergehend reduzieren.“ Kurzes Rascheln. Dann dieselbe Stimme, deutlich leiser, offenbar ohne zu wissen, dass das Mikrofon noch eingeschaltet ist: „Wie formuliert man das denn jetzt ...? Ach komm ...“ Ein Räuspern. „... Vor uns befinden sich mehrere Schwäne auf den Gleisen. Nach aktuellem Kenntnisstand zeigen diese keine Bereitschaft zur Zusammenarbeit.“

 

Im Zeisenvaart-Abteil brandet ironischer Applaus auf – gepaart mit langgezogenen Seufzern. „Immerhin kooperieren die Schwäne genauso gut wie manche Behörden“, stellt ein Fahrgast fest. Die Frau gegenüber nickt ernst. Schließlich lassen sich die dreisten Langhälse überzeugen, ihre Karriere als Schienenverkehrsbehinderung aufzugeben, und der Zug beschleunigt erneut.

 

Niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass dies die letzte längere Fahrtstrecke des Tages werden sollte. Denn rund eine Stunde später rollt der ICE langsam in den Frankfurter Hauptbahnhof ein. „Kurzer Aufenthalt“, denkt zunächst jeder. Doch dann ertönt die nächste Durchsage. „Sehr geehrte Fahrgäste. Dieser Zug endet heute außerplanmäßig in Frankfurt Hauptbahnhof.“ Man könnte eine Stecknadel fallen hören. „Die Weiterfahrt entfällt.“

 

Wie dieser abenteuerliche Trip weitergeht, wird im September gelüftet. Pünktlich zu sein, ist nicht nur bei öffentlichen Verkehrsmitteln das A und O, sondern auch bei steuerlichen Angelegenheiten. Würde mein Steuerberater Roland Wilm genauso agieren wie die Deutsche Bahn und dafür Begründungen liefern, die absurder klingen als Theorien über die Erde als Scheibe, würde ihn niemand mehr konsultieren. Zum Glück ist das Gegenteil der Fall. Die Bearbeitungsfristen, die er verspricht, hält er ein. Kompromisslos. Pünktlich. Selbst wenn er kurzzeitig von einer Schwanenfamilie im eigenen Garten abgelenkt werden sollte.


Wie hat Ihnen unser Artikel gefallen?

Wir freuen uns auf Ihr Feedback entweder an die Steuerkanzlei Wilm oder an unseren Gast-Autor Dr. André Gärisch direkt.

Kontakt zu uns

Steuerkanzlei Wilm
Dipl.-Kfm. Roland Wilm
Steuerberater
Veitsberg 2
97618 Hohenroth 

Tel: 09771 / 63 07 99-3
Fax: 09771 / 63 07 99-4

Öffnungszeiten

Mo - Do: 08:00 - 16:00 Uhr
Fr: 08:00 - 12:00 Uhr

 

Telefonische Sprechzeiten

Mo - Fr: 09:00 - 12:00 Uhr

Newsletter

Bitte beachten Sie die Datenschutzrichtlinien

Anfrage erfolgreich.

Zurück
Login

Bitte überprüfen Sie Ihre Eingaben.

Bitte beachten Sie die Datenschutzrichtlinien

Sie sind eingeloggt.

Zurück

Beim Anmelden ist ein Fehler aufgetreten