Mehr als die klassische Steuerberatung

28.05.2021

Briefe, die nicht wegfliegen – wie mein Sohn mich sieht

„Papa, wie siehst du dich? Als Stehlampe oder als Schirmständer?“, fragt mich mein Sohn beim Abendessen. Sein Chef hatte mal wieder zu seinem alljährlichen Kreativwettbewerb aufgerufen, an dem die gesamte Werbeagentur teilnimmt. Dieser Mann ist ein wahrlich skurriler Grandseigneur – mit Zwirbelbart, dessen Spitzen bis zu den Ohrläppchen reichen und Ohrläppchen, an denen sich Ringe wie Hühner auf einer Stange reihen. Dementsprechend abseitig ist auch diesmal das Projekt: Luca und die anderen sollen je ein Deko-Element entwerfen, das ein Familienmitglied symbolisiert – als Skizze, oder besser: fertig hergestellt.

 

Natürlich hätte sich Luca dafür entscheiden können, eine Vase mit dem schlanken, majestätischen Giraffenhals seiner Mutter zu erdenken, oder eine todschwarze Klobrille mit aufgemalten Reißzwecken, die meinen Schwiegersohn veranschaulicht. Doch der größte Charakterkopf in seinem Dunstkreis bin immer noch ich: Robert Taxing. Also antworte ich ihm: „Sohn, ich sehe mich als geräumige Wohnzimmerkommode.“ Parallel scrolle ich auf dem Smartphone auf ein Bild und tippe darauf. „Schau: Die Füße, geformt wie Paragraphen – das sind die Sahnehäubchen in meinen blitzgescheiten Versicherungsverträgen. Massives Kiefernholz, antik, optisch in die Jahre gekommen, doch im Grundsatz stark und anmutig. Die goldenen Griffe weisen auf wertvollen Inhalt hin, die Muster im Holz verkörpern Vielfalt und Raffinesse.“

 

„Zu langweilig“, brummt Luca. „Außerdem ist eine Kommode vorhersehbar. Mein Chef bevorzugt etwas Unkonventionelles. Er ist Künstler.“ Der letztjährige Wettbewerb zum Thema „Sanfte Poesie“ liegt Luca noch schwer im Magen. Er hatte seine Schwester einen Siamkatzen-Vierzeiler anfertigen lassen, der verschämt auf den vorletzten Platz kroch. „Du wirst einige Ideen haben“, ermutige ich ihn. „Falls nicht, kannst du hierauf ausweichen“, deute ich abermals auf das Bild. Wenig später klingelt Maxi, ein Freund von Luca, an der Tür. Ins Sofa gesunken, nehme ich benebelt wahr, wie die beiden in die Garage verschwinden.

 

Plötzlich spüre ich ein energisches Rütteln an der Schulter. „Wir haben’s!“, strahlt Luca. In seiner Hand prangt eine regelrechte Keule; in die obere Holzhälfte ist ein abstraktes Gesicht eingeritzt. Mund und Augen sind aufgerissen und erinnern an den Ausdruck eines Voodoo-Priesters, Schweinchenbacken komplettieren die grobschlächtige Melange. „Dieser Briefbeschwerer bist du“, sagt Luca. Ich stutze. „Schön… und gut, aber was habe ich denn bitte mit einem Briefbeschwerer gemein?“ „Naja, deine Kunden schreiben dir gerne Beschwerdebriefe. Wir haben die beiden Wörter einfach gedreht, da lag es auf der Hand. Mit ihm kannst du deine Kunden bei Wind und Wetter am Wegfliegen hindern. Ein Briefbeschwerer für Briefbeschwerer sozusagen. Genial!“

 

Ich mustere die schaurige Fratze ein weiteres Mal. „Verstehen nur Menschen mit einem Sinn für Metaphorik“, verteidigt sie Luca. „Man kann es aber sicher noch überarbeiten“, behalte ich hoffend das letzte Wort. Dann husche, ich einer Gegenrede entfliehend, über die Wendeltreppe in mein Dachbodenbüro. Auf dem Weg überlege ich mir, ob ich ihm bei solchen kreativen Entgleisungen nicht besser einen Job in meiner Versicherungsagentur anbieten sollte. Vielleicht Briefsortierer. Oben schreibe ich Roland Wilm eine E-Mail – ich will wissen, ob während der Pandemie überhaupt Betriebsprüfungen stattfinden. Er ist für mich ein stabiler Liegestuhl, der mir gestattet, mich in Sachen Steuern sorglos zurückzulehnen.


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