Mehr als die klassische Steuerberatung

30.08.2022

Der ungeliebte Salat – über mein Zusammentreffen mit Schrotti

Eine nervtötende Nacht liegt hinter mir. Knapp neben meinem Ohrläppchen befand sich über Stunden hinweg die beliebteste Einflugschneise der Welt. Aufreizend mit dem Rüssel voran, kamen die Plagegeister herangedüst, einer nach dem anderen; den typisch zittrigen Sound geigend, der das limbische System bis zur Tobsucht reizt. Wahlweise nahmen sie auf meinem Nasenrücken, der Unterlippe oder dem Oberarm Platz – und saugten an mir, wie lange niemand mehr an mir gesaugt hatte.


Irgendwann, gefühlt hatte ich bereits zwei Jägermeisterflaschen Blut verloren, ging mir ein Licht auf – und ich beschloss, aus der Not eine Tugend zu machen. Ich ging in die Küche und griff mir dort eine Fliegenklatsche und ein Wasserglas. Dann schritt ich zur Kleinwildjagd – und sammelte für meinen ledrigen, langzüngigen Freund, der den Keller meines Schwiegersohns seine Heimat nennt, ein unwiderstehliches Mahl. Die Rede ist von Schrotti, dem Leguan von David. Warum er so heißt? Nun, sein Äußeres ist eigenwilliger Natur. Seine Mutter hatte einen seltenen Gendefekt. Ausbeulungen, Wülste und Warzen prägen seinen Körper, sodass er aussieht wie eine Kiste Schrott, aus der Hammer, Dübel und Co. ragen. Damals hatte David das Mitleid gepackt. Und ja – seitdem es Schrotti gibt, kann ich bestätigen, dass Haustiere tatsächlich ihren Besitzern ähnlich sehen.


Ich knie vor dem Schuppenkriechtier, das derweil lässig auf einem Felsen thront, und halte ihm das Glas voller Mücken vor die gräulich-grüne Schnauze. David hatte mich gebeten, auf Schrotti aufzupassen. Doch irgendwie möchte er von dem in der Nacht mühsam zusammengeklatschten Salat nichts wissen. Er stellt seinen Kopf quer und glotzt mich argwöhnisch an. „Wer ist dieser Typ?“, scheint er sich zu fragen. „Robert, mein Feiner, Robert“, flüstere ich ihm zart zu, um seine Gunst zu ergattern. „Mein Lieber, probier doch mal.“ Keine Chance. Ich überlege und überlege. Und robbe zu einem Stapel alter CDs neben dem Terrarium. Mozart soll es richten. Wer ein Sterne-Essen kredenz bekommt, erwartet schließlich auch attraktive Klänge. Violinkonzert Nr. 3 G-Dur KV 216. Ich lege die Scheibe in den Player ein.


So sehr sich der versierte Österreicher auch bemüht – so wenig schert sich der nun fast entschlafene Mittelamerikaner um ihn. Wenn ich Schrotti kraule, müsste ihn das doch aktivieren. Aus einer Schublade greife ich mir ein paar Backofenhandschuhe und ziehe sie an. Dann knie ich mich wieder vor Schrotti und führe meinen Zeigefinger behutsam in Richtung Kehlsack. Noch sind die Augen starr. Keine Regung. Immer noch eine Dekofigur. Dann berühre ich sein Säckchen. Plötzlich faucht mich Schrotti aus dem Nichts dämonisch an, schlägt mit seinen Hinterbeinen im Rodeo-Stil um sich. Er hechtet aus dem Terrarium und sprintet im Zickzack über den Teppichboden, durchschlägt mit seinem robusten, spitzen Schwanz die Kehle von Ozzy Osbourne, der auf einem Poster vorausahnend den Mund weit aufgerissen hatte.


Ich bin entsetzt, fliehe zur Tür, reiße sie auf – pralle fast mit meinem Schwiegersohn zusammen. Er lässt ein Stofftier fallen, ein Stegosaurier, mit übergroßen Zähnen und einem gepunkteten Schleifchen um den Hals. Schrotti erspäht das ausgestorbene Reptil – sein Blick, auf einmal ganz zahm, ja nahezu verliebt. Er begibt sich zu dem Geschöpf, inspiziert es ausgiebig. „Ich bin früher heimgekommen und habe gehört, dass im Keller klassische Musik läuft. Da dachte ich mir, dass irgendwas nicht stimmen kann. Also habe ich sein Lieblingskuscheltier gesucht“, sagt David. „Aber David – ich wollte ihm nur ein bisschen Auslauf geben.“ „Und warum trägst du dann Backofenhandschuhe? Wolltet ihr gemeinsam einen Frankfurter Kranz zaubern?“ „Na gut, ich erzähle dir, was passiert ist ...“


Mein Steuerberater musste lachen, als ich ihm von Schrotti berichtet habe. „Können eigentlich Aquarien und Terrarien, die im Büro platziert werden, von der Steuer abgesetzt werden?“, wollte ich daraufhin von ihm wissen. Es folgte eine fundierte, detaillierte Aufklärung. Kein Wunder – an ihn kann ich mich mit den ungewöhnlichsten Steuerfragen wenden. Er antwortet immer ausdrucksstark – nicht so wie Schrotti.


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