Mehr als die klassische Steuerberatung

25.03.2025

Die Stimmen der Ahnen – Berührende Begegnungen im Museumskeller

Hilda führt uns eine enge Treppe hinab in den Museumskeller. Unten betreten wir einen schmalen, spärlich beleuchteten Gang, dessen Decke mir fast den Kopf streift. Der Putz an den Wänden ist brüchig und stellenweise von Spinnennetzresten überzogen. Wir passieren eine massive, mit Eisen beschlagene Holztür und steuern auf eine weitere zu.

 

„Und jetzt haltet den Atem an, meine Freunde“, sagt Hilda. Sie drückt die Klinke herunter, öffnet die Tür und betätigt einen Schalter. Vor uns entfaltet sich ein Raum, der an einen kleinen Ballsaal erinnert. Ein Kronleuchter taucht die Szenerie in warmes Licht, das sich auf bronzenen Streifen bricht, die die Wände säumen. Auf mehreren Ebenen hängen dutzende Bilder – unterschiedlich groß, mit vielfältigen Motiven und Farben.

 

Hilda lässt uns Zeit zu staunen, dann neigt sie den Kopf zu uns und flüstert mit feierlicher Bedeutungsschwere: „Jedes Bild stammt von einer anderen Hand, doch alle wurden von Nachkommen Zillos gemalt. Während seiner letzten Stunden – er litt an Typhus – verfasste Zillo ein Schreiben. Sollte ihm je ein Museum gewidmet sein, sollten seine Nachfahren darin die Möglichkeit erhalten, sich durch Kunst einander und sich selbst näherzukommen.“

 

Sie legt ihre Hände übereinander und presst sie an ihre Brust. „Sie sollten ihrem innersten Kern begegnen, indem sie das malen, was ihnen im Leben wirklich wichtig ist, was sie wahrhaft bewegt. Seit nunmehr 120 Jahren – so lange gibt es dieses Haus – folgen sie seiner Vision, gestalten ihre Werke im Nebenraum und stellen sie hier aus. Von vielen erhalte ich noch Jahre später Nachrichten, wie sehr das Malen des Bildes sie geprägt und ihre Augen geöffnet hat.“

 

Ich verschaffe mir einen Überblick. Neben den Bildern hängen kleine Schildchen mit den Namen der jeweiligen „Künstler“, dem Entstehungsjahr und dem Titel. Die ästhetische Raffinesse variiert erheblich – wenn ich dieses Urteil aus vollkommen unberufenem Munde sprechen darf. Ich nähere mich einem Exemplar namens „Fischerfreuden“: eine naiv gemalte Forelle mit überdimensionierten Augen und Kiemen, die sich in ungleichmäßigen, teils hügeligen Bögen über ihren Körper ziehen. „Hubert war Fischer auf Ameland, im Norden der Niederlande“, erklärt Hilda. „Er liebte die Einsamkeit, fuhr weit hinaus – und fand dort tiefen Seelenfrieden.“

 

Ich gehe weiter. Auf manchen Bildern entdecke ich Musikinstrumente: eine Geige, eine Posaune. Andere zeigen Kirchen oder Ställe. Mich schauen viele Gesichter an – einzeln und in Gruppen. Kein Wunder. Was ist für uns so wesentlich wie die Verbindung zu anderen Menschen? Entsprechend lauten die Titel – „Deckungsgleich“ oder „Danke dir“, aber auch „Frage an dich“. Scheinbar trägt der Schöpfer dieses Werkes ein ungelöstes Anliegen in sich oder erhofft sich gar einen transzendenten Kontakt. Es ist, als würden Stimmen aus den Wänden dringen – ein geisterhaftes und zugleich berührendes Szenario.

 

David streckt den Arm nach mir aus, obwohl ich außerhalb seiner Reichweite stehe. Seine Wange zittert leicht. „Robert“, sagt er schüchtern und ungläubig, „hier steht der Name meines Vaters“. Er zeigt auf das Schildchen neben dem Bild vor ihm: „Klaus Rothkamp“. Ich trete näher. Das Gemälde bannt mich, es besteht aus zahllosen Farbflächen, die von einem satten Rot in ein Anthrazit und schließlich in ein tiefes Schwarz verlaufen, bis in der Mitte eine Art Supernova mit narzissengelbem Zentrum und fliederfarbenen Schleiern erscheint. „Wie zerronnen, so gewonnen“ wurde es getauft.

 

David schweigt und betrachtet das Bild. Anschließend wendet er sich Hilda zu: „Können Sie sich an den Mann erinnern, der das gemalt hat?“ „Ja, sehr gut sogar“, sagt Hilda. „Es ist zwar schon einige Jahre her, aber ich erinnere mich noch, dass er erzählte, kurz vor seinem Besuch Vater geworden zu sein. Es war sein erstes Kind, ein sehr spätes. Er litt an einer Krankheit, die seine Lunge stark belastete. Seine Stimme war rau und keuchend, er röchelte mehr, als dass er sprach. Und dieser Mann pflegte auch noch seine schwerkranke Mutter. An all diesen Umständen zerbrach schließlich seine Fernbeziehung. Was für eine Geschichte.“

 

David nickt schwermütig. „Das hat meine Mutter immer nur aus ihrer Sicht erzählt – zu viel Streit, zu wenig Aufmerksamkeit für sie.“ Er schaut erneut auf das Bild, als wolle er es entschlüsseln. „Vielleicht hatten beide recht“, sage ich leise. Hilda legt für einen Moment tröstend ihre Hand auf Davids Schulter. „Kennen Sie auch eine Irmtraud und einen Paul Rothkamp?“, fragt David. Es waren seine Großeltern väterlicherseits, die im Ahnenstammbaum bereits als verstorben eingetragen waren. Hilda runzelt die Stirn. „Irmtraud, ja, so hieß wohl seine Mutter, aber ich habe sie nie kennengelernt. Einen Paul kenne ich nicht.“

 

In diesem Moment wird mir plötzlich bewusst, dass sich aus meiner eigenen näheren Verwandtschaft niemand hier verewigt hat. Meine Eltern leben noch, sie wohnen nur zwei Ortschaften weiter. Doch von Davids verwegenem Vorfahren, das heißt: unserem verwegenen Vorfahren, weiß meine Mutter, die ebenfalls mit ihm verwandt ist, vermutlich nichts – woher auch? Sie hat nichts im Geringsten mit der hiesigen Region zu tun. Sie nutzt kein Internet. Und selbst wenn sie es wüsste – wahrscheinlich würde sie sich eher von Zillo fernhalten. Eigentlich schade, ich meine: diese Eindrücke, dieser Raum, ein wahres Panoptikum. Faszinierend, was Menschen alles als bedeutend erachten …

 

„Wenn ihr möchtet, könnt ihr nun auch ein Bild malen“, sagt Hilda. David und ich haben diese Gelegenheit tatsächlich ergriffen. Was wir gemalt haben, wird im April enthüllt. Apropos Kunstwerk: Es klingt vielleicht etwas verwunderlich, aber wenn ich mir meine Steuererklärungen anschaue, fühle ich mich auch an ein kleines Kunstwerk erinnert – jeder Strich passt perfekt. Elegante und vor allem korrekte Zahlen und Fakten, die mir zu Vorteilen verhelfen. Vielleicht klingt es pathetisch, aber ja, ich würde Roland Wilm als den Michelangelo der Steuerberatung bezeichnen.


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