Mehr als die klassische Steuerberatung

27.09.2026

Ein Hühnerhaufen am Hauptbahnhof – denn nicht alle Wege führen nach Neustadt

Vierzig Zeisenvaarts steigen aus dem Zug und stehen wenig später auf dem Bahnsteig des Frankfurter Hauptbahnhofs. Koffer rollen, Telefone klingeln, die Pinselkette wird festgehalten, als wäre sie ein Navigationsgerät. Einer fragt, von welchem Gleis der nächste Zug nach Deutschland fährt. Nach einigen Sekunden merkt er, dass er bereits in Deutschland ist.

 

Zunächst versucht man, zusammenzubleiben. Frankfurt bietet einfach zu viele Möglichkeiten, vom eigentlichen Plan abzuweichen. Der erste bleibt an einem Zeitungskiosk stehen. Er hat Psychologie Heute entdeckt und blättert darin, als könne man dort nachlesen, warum vierzig eigentlich zusammengehörige Menschen innerhalb von drei Minuten wahllos auseinanderlaufen und was der Begriff „Schwarmintelligenz“ damit zu tun hat.

 

Wenige Meter weiter dringt aus einem Irish Pub Musik. Ein Zeisenvaart hält inne. „Das klingt gut.“ „Wir müssen zum Zug“, sagt seine Begleitung. „Ich komme wieder.“ Zehn Minuten später steht er im Pub und singt mit einem völlig unbekannten wildbärtigen Mann einen Refrain, den er seit 1997 nicht mehr gehört hat. Zwei suchen nach einer Ersatzverbindung. Eine kauft Wasser. Einer entdeckt einen Bäcker. Jemand fotografiert die Bahnhofsuhr.

 

Auf der Website des Zeisenvaart-Tags steht unter dem Nachmittagsprogramm: Beginn 15.00 Uhr – pünktliches Erscheinen erwünscht. „Das ist nicht hilfreich“, sagt eine Teilnehmerin. „Wir sollten Ruhe bewahren“, erwidert ihr Mann. „Warum?“ „Wir sind Zeisenvaarts.“ Damit ist die Lage beschrieben.

 

Im Zeisenvaart-Forum laufen derweil die Nachrichten ein. Einer fragt nach der Zugverbindung, einer nach einem Taxi, einer nach der Adresse der Halle. Sie steht seit Wochen auf der Website. Trotzdem wird sie jetzt von sieben Personen gleichzeitig erbeten. Unterdessen bin ich mit David in der Mehrzweckhalle. Die Bühne für die Katerstrophalen ist fast fertig. „Die dritte Reihe steht schief“, sage ich. „Absicht“, sagt David. „Warum?“ „Damit es lebendig wirkt.“

 

Ich will gerade eine Diskussion mit ihm anfangen, als mein Handy vibriert. „Wir sind in Frankfurt gestrandet.“ Ich lese die Nachricht zweimal. Dann klingelt mein Telefon. „Taxing.“ „Robert?“ „Ja.“ „Du, wir kennen uns noch nicht, aber wir sind verwandt. Daher dachte ich, ich ruf einfach an.“ „Ähm. Ja. Was ist denn?“ „Unser Zug fährt nicht weiter.“ „Wie viele seid ihr?“ „Alle.“ „Das ist keine Zahl.“ „Vierzig.“

 

Im Hintergrund höre ich Musik. „Was ist das?“ „Das ist aus dem Pub.“ „Warum seid ihr im Pub?“ „Wir sind nicht im Pub.“ „Wer ist dann im Pub?“ Kurze Pause. „Drei.“ „Und warum hörst du die Musik?“ „Weil ich danebenstehe.“ Ich schließe kurz die Augen. „Hört zu. Ihr müsst jetzt einfach zusammenbleiben.“ „Wir versuchen es.“ Jemand ruft: „Wer kennt den Refrain?“ Wieder setzt Musik ein. „Robert?“ „Ja?“ „Jetzt sind es vier im Pub.“ 

 

Ich bin überfordert, lege kurz auf und schreibe einige Sekunden später per WhatsApp: „Fragt nach einer Ersatzverbindung nach Neustadt.“ Eine halbe Minute später telefoniere ich wieder. „Neustadt am Main war das, oder?“ „Ja.“ „Nicht Neustadt am Rhein?“ „Nein, am Main.“ „Gut. Einige stehen nämlich gerade am Gleis Richtung Köln.“ Pause. „Nicht nach Köln!“ „Verstanden.“ Ich lege auf und vergrabe das Gesicht in den Händen. Warum muss ich nur in der häufigsten Stadt Deutschlands wohnen?

 

Mein Handy klingelt erneut. „Taxing.“ „Robert, ich bin’s.“ „Wer?“ „Marcel.“ „Welcher Marcel?“ „Der aus Maastricht.“ „Das hilft mir nicht.“ „Einer der Zeisenvaarts.“ Ich blicke David mit ironischem Gesichtsausdruck an und säusle: „Es gibt offenbar mehrere.“ „Wir haben ein Problem.“ „Das mit dem Zug?“ „Ja. Der fährt nicht weiter. Wir sind in Frankfurt.“ „Das habe ich inzwischen verstanden.“ „Einige wollen ein Taxi nehmen.“ „Wie viele?“ „Zwölf.“ „Und die anderen?“ „Die wissen es noch nicht.“ Die Verbindung bricht ab.

 

David schaut auf sein Handy. „Sie sammeln sich.“ „Alle?“ „Nein.“ „Wie viele fehlen?“ Er scrollt. „Neun.“ „Wo sind die?“ „Zwei beim Kiosk. Vier im Pub. Einer sucht den Bahnsteig. Und zwei sind offenbar schon im Zug.“ Ich starre ihn an. „Welchem?“ David scrollt noch einmal nach oben. „Das versuchen sie gerade herauszufinden.“ Ich stelle einen Stuhl schief in die Reihe. Vielleicht sollte ich mir keine Sorgen mehr machen, ob die Zeisenvaarts rechtzeitig ankommen. Im Moment wäre ich schon mit demselben Ort zufrieden.

 

Bei Zeitdruck einen klaren Blick behalten? Eine der Spezialdisziplinen meines Steuerberaters Roland Wilm. Hätte er die Lage am Bahnhof geregelt, wäre sogar noch ein Puffer entstanden bis zur Weiterfahrt nach Neustadt. Die freien Minuten hätte er sicherlich genutzt, um sich in der Bahnhofsbuchhandlung in einem Fachmagazin über aktuelle steuerliche Debatten zu vertiefen. Bei ihm ist es nicht nur Kompetenz – wir reden von einer echten Leidenschaft.


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