Mehr als die klassische Steuerberatung

26.07.2022

Nach dem Knall – Verhandeln auf höchstem Niveau

Verträge sind mein Wohnzimmer. Das Anschreiben mein Flatscreen-Fernseher, mit einprägsamen Sätzen, die von Oscar-prämierten Schauspielern stammen könnten. Meine ausgeklügelten Versicherungsbeiträge haben ebenfalls Blockbuster-Qualität. Mein monetärer Scharfsinn gleicht dem von Leonardo DiCaprio als „Wolf of Wallstreet“. Und das, ohne die Bedürfnisse der Kunden zu vernachlässigen, denn ich betrüge nicht, ich jongliere mit Zahlen und Worten. Das Kleingedruckte ist meine akribisch eingerichtete Vitrine, mit diesem und jenem Dekorationselement – hier eine überraschende Sonderregelung, dort eine strenge Frist. Und so entsteht ein eindrucksvolles Gesamtkunstwerk.


Genau dieses vertragliche Geschick musste ich am vergangenen Wochenende mit gebündelter Nervenkraft auf den Platz bringen. Der Grund: meine eigene Dummheit. Ich hatte vergessen, den Laptop herunterzufahren – Angela entdeckte meinen Blog. Jede einzelne Zeile las sie; und las sie aus; ähnlich einer künstlichen Intelligenz. Meinem Schwiegersohn überreichte sie die Geschichten, in denen ich ihn aus meiner Sicht liebevoll aufleben ließ, aus ihrer Sicht abgrundtief bloßstellte. Die entsprechenden Stellen markierte sie mit einem roten Stabilo – vergleichsweise harmlose Zuschreibungen wie „passioniert arbeitslos“, „rückständige Reaktionszeit“, „Höllenwächter“ oder – im Krippenspiel den Esel mimend – „nichtsnutziges Fell“. Selbst, dass ich seinen Leguan als „absonderliches Wesen“ bezeichnete, ließ den Stift über das Papier planieren.


Mein Schwiegersohn stürmte daraufhin mit den ausgedruckten Storys in der Hand und einem Vulkankraterblick im Gesicht durch die Haustür. Die Zettel knallte er auf den Esstisch, anklagende Zeigefinger auf diversen Absätzen. Seine Forderungen hatte er in einem großen, edlen Umschlag mitgebracht. Der Vertrag eines waschechten Ablasshandels:


Erstens: Du befasst dich einen Tag lang ausgiebig mit meinem Leguan und entwirfst für den Blog einen Erlebnisbericht mit dem Titel: „Mein Freund mit Kamm und Kehlsack – vierundzwanzig Stunden mit ‚Schrotti‘“.


Zweitens: Du ziehst eine Woche lang die bizarrsten Klamotten aus meinem Kleiderschrank an und führst ein Foto- Tagebuch. Nein, ich wasche die Sachen nicht vorher – ich poste die Bilder aber auf Facebook, in den Gruppen „Phänomen Midlife-Crisis“ und „Mehr Toleranz für Franken“.


Drittens: Deine Frau, deine Tochter, dein Sohn und ich dürfen jedes Jahr mindestens einen (gesalzenen) Blogbeitrag verfassen – das nennt man ausgleichende Gerechtigkeit.


Weiter unten ein Feld mit dem Vermerk: „Sie dürfen hier unterschreiben“.


Nach zähen Verhandlungen konnte ich den zweiten Passus aus dem „Vertrag“ streichen. Gewiss überquere ich nicht als Hybrid aus Alice Cooper, Gandalf und Papst Franziskus die heiklen Kreuzungen sozialer Netzwerke. Schon gar nicht, wenn ich weiß, dass Davids kluftige Kumpels ihm dafür Dutzende Likes hinterlassen. Dafür spendiere ich ihm nun den Eintritt in einen nahen Fledermauspark. Vielleicht kann er ja dort neue Freundschaften knüpfen. Auch sonst konnte ich die aufbrausenden Wogen glätten. Und so bissig wie der letzte Blogbeitrag meiner Frau werden die nächsten sicherlich nicht werden. Vielleicht sollte ich den Vertrag ohnehin besser meinem Steuerberater vorlegen. Vielleicht findet er einen Formfehler. Roland Wilm ist schließlich ein kompromisslos aufmerksamer Geist. Ihm entgeht nichts. Eigentlich gar keine schlechte Idee...


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