31.01.2026
Wer hat was gesehen? Der Zeuge mit dem dicken Bauch
Angela schaut mich an. Ich schaue zurück. Die Regieassistentin schaut uns beide an. „Also?“, fragt sie scharf. „Haben Sie den Statisten mit irgendetwas … versorgt?“ Bevor ich antworten kann, öffnet sich Angelas Mund – und heraus kommt: nichts. Kein Hicks. Totenstille. Wir starren uns an wie zwei Archäologen, die gerade das Grab geöffnet haben und feststellen: leer. „Der Schluckauf“, flüstert Angela ungläubig, „er ist … weg.“ Ich blicke auf die Iberogast-Flasche in meiner Hand. Noch original verschlossen. „Tja“, sage ich, „Spontanheilung. Klassiker.“
Die Regieassistentin hat für medizinische Wunder keine Zeit. „Schön für Sie. Aber wir haben jetzt ein Problem: Unser Fitnessstudio-Statist ist nicht mehr einsatzfähig. Der lallt nur noch von Proteinen und Paralleluniversen.“ Sie mustert mich von Kopf bis Fuß, ihr Blick bleibt an meinem Bauchansatz hängen. „Sie sehen … plausibel aus. Könnten Sie einspringen?“
„Ich?! In einem Fitnessstudio?!“ Ich lache hysterisch auf. „Ich hab seit 2003 keinen Stepper mehr gesehen, und das war im IKEA-Katalog!“ Angela kichert. Die Regieassistentin bleibt eisern. „Sie müssen nur an einem Gerät sitzen und einen Satz sagen. Das kriegen Sie hin.“ „Moment, Moment“, sage ich und hebe beschwörend die Hände, „gibt es nicht Alternativen? Wir könnten die Szene nach draußen verlegen – Zeuge joggt vorbei, schnauft was, fertig! Oder: Zeuge sitzt im Café, trinkt Latte Macchiato, viel authentischer!“ Ich werde verzweifelt kreativ. „Dritte Option: Zeuge liegt im Solarium und wird durch den Lüftungsspalt befragt, das ist wenigstens diskret!“
Die Regieassistentin seufzt. „Herr Taxing, wir haben in drei Minuten Drehbeginn. Entweder Sie oder wir streichen die Szene komplett.“ Sie hält inne, lässt die Drohung wirken. Angela stupst mich an. „Komm schon. Für die Kunst.“ Ich blicke in ihre leichenblass geschminkten Augen und kapituliere. „Also gut. Aber wenn ich einen Muskelkater bekomme, zahlt die Produktion.“
Minuten später sitze ich an einer Art Folterbank mit Gewichten. „Butterfly-Maschine“, erklärt mir ein gelangweilter Techniker. „Einfach die Arme nach vorn drücken.“ Ich drücke. Nichts passiert. Ich drücke nochmal. Die Gewichte bewegen sich keinen Millimeter. „Ist das auf Maximalstufe?“, frage ich. „Nein“, sagt der Techniker, „auf Stufe drei – von acht.“ Hinter der Kamera höre ich Angela prusten.
„Bitte Ruhe am Set!“ Der Regisseur tritt heran, mustert mich skeptisch. „Sie spielen einen Fitnessstudio-Stammgast. Können Sie das glaubhaft rüberbringen?“ Ich setze meine entschlossenste Miene auf, ziehe demonstrativ an den Griffen – ein theatralisches Stöhnen entfährt mir, halb echt, halb gespielt. „Perfekt“, murmelt ein Kabelträger, „wie jemand, der seit Jahren gegen die Physik kämpft.“
Die Szene beginnt. Die beiden Ermittler betreten das Studio, kommen auf mich zu. Ich tue, als würde ich trainieren – in Wahrheit ziehe ich verzweifelt an Hebeln, die sich nicht bewegen wollen. Mein Gesicht läuft rot an. Schweißperlen bilden sich auf der Stirn. „Guten Tag“, sagt der eine Kommissar, „wir ermitteln in einem Mordfall. Kennen Sie diese Frau?“ Er hält mir ein Foto hin. Ich schiebe die Sonnenbrille hoch – Requisite, viel zu klein, kneift fürchterlich –, schiele auf das Bild und sage meinen Text: „Klar, ich weiß nicht, wie sie heißt, aber sie war öfter hier. Dass mit ihr etwas passiert wäre, habe ich nicht mitbekommen. Fragen Sie doch mal den Typen da drüben, der trainiert immer bis …“
„CUT!“ Der Regisseur winkt mich heran. „Das war schon ganz gut. Aber können Sie ein bisschen … lockerer wirken? Weniger, als würden Sie gleich sterben?“ „Ich sterbe aber gleich“, keuche ich. Angela, die als Leiche auf einer Bahre vorbeigetragen wird – Probe für eine spätere Szene – grinst selig.
Ob ich diese Szene noch meistern werde, erfahren Sie im Februar. Ach ja – wenn auch etwas verspätet – wünschen Familie Taxing, mein Steuerberater Roland Wilm und sein gesamtes Team Ihnen ein wundervolles Jahr 2026. In turbulenten und ungewissen Zeiten hilft mir eine einfache Strategie: die Momente im Hier und Jetzt besonders bewusst zu genießen – die berührenden, die erfrischenden und die lustigen. So wie an dem widerspenstigen Gerät im Fitnessstudio am Tatort-Set.
Übrigens: Eine perfekt angefertigte Steuererklärung von Roland Wilm ist ebenfalls ein perfekter Moment – denn dann kann man gelassen dem Gespräch mit dem Finanzamt entgegenblicken, und sich unbeschwert seines Lebens erfreuen. Bis Februar!
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